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Jan Philipp Reemtsma: "Ist es Faschismus?" - was will man wissen, wenn man so fragt? - im Rahmen der Konferenz "Das Gespenst des Faschismus"

Seit geraumer Zeit werden Experten – Historiker, Politologen, Soziologen – gefragt, ob unsere weltpolitische Gegenwart durch eine Wiederkehr „des Faschismus“ bedroht sei – oder eines „neuen“ respektive „Neo“-Faschismus – oder eines „Post-Faschismus“. Auch die Tagung am 26./27.3. wirft diese Frage auf, wenn auch mit einer Frage an die Situation, in der sie gestellt wird: „Gespenst des Faschismus“, analog dem „Gespenst des Kommunismus“, von dem Marx und Engels im „Kommunistischen Manifest“ geschrieben haben.

      Nun, bei Marx und Engels folgte auf den – nota bene: ironischen – Eingangssatz eine Selbst-Erläuterung: ihr fürchtet euch diffus vor etwas, und wir – die Kommunisten – erklären euch, worum es geht! Das ist nicht das Ziel der Tagung, sie müßte sonst eine Veranstaltung von Leuten sein, die etwas sagen wollten wie: „Wir, die wahren Faschisten, sagen euch, womit ihr es zu tun habt mit uns.“ Gewiß nicht, aber kann die Ambition sein, zu sagen, was die wahre Gestalt hinter dem Gespenst ist? Die Frage, die mit dem Titel gemeint sein kann, könnte etwa lauten: sollten, können, dürfen wir das, was wir zur Zeit in den USA erleben, was in einigen osteuropäischen Ländern Wirklichkeit ist oder entworfen wird oder wurde, wofür in Deutschland vornehmlich die AFD steht, „Faschismus“ nennen?

      Diese Frage ist notwendigerweise verknüpft mit der Frage, welche Regime der Vergangenheit man eigentlich „faschistisch“ nannte und nennt und warum – und welche gerade nicht. Die Debatte darüber ist lang und vielgestaltig. Sie reicht von der Ansicht, alle autoritären Regime (ob sich populistisch gebärdend oder nicht) oder speziell alle populistischen Ambitionen (erfolgreich oder nicht) „irgendwie auch faschistisch“ zu nennen, bis zu der, es habe im Grunde nur einen Faschismus gegeben, den, der sich selbst so genannt hat, den italienischen, aber auch der sei in Wirklichkeit gar keiner gewesen, da er seinen eigenen Ambitionen nicht entsprochen habe.

      Es stellt sich die Frage, was uns solche vergangenheitsdiagnostischen Exkurse nützen. Sie stellt sich natürlich nicht nur angesichts des Tagungsthemas. Sie stellt sich im Grunde immer, wenn man versucht, die eigene Gegenwart dadurch besser zu verstehen, daß man ihr Gesicht im Spiegel der Vergangenheit deutet. Und selbst wenn man so tut, als täte man das nicht – „natürlich wiederholt sich Geschichte nicht!“ -, so sucht man doch Halt im Gebrauch vorgegebener Wörter. Man sieht es an Interview-Bräuchen: „Und nun sagen Sie uns bitte: ist es (schon) Faschismus?“, das ist die Frage-der-Fragen, denn aus der Antwort, und sei sie noch so ratlos, wird die Schlagzeile für das Interview gewonnen.

      Lassen Sie uns das für die Länge eines Vortrags für ein interessantes Phänomen halten und fragen: wieso eigentlich?


Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Ehrendoktor unserer Universität, wird im Rahmen der Abendveranstaltung unserer Tagung eine öffentlichliche Rede zu dem Themenkomplex Autoritarismus-Populismus-Faschismus als Bedrohungen der Gegenwart halten. Ein genauer Titel ist noch nicht festgelegt, aber wir freuen uns, einen den bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit nach Konstanz geholt zu haben. Jan Philipp Reemtsma ist Literaturwissenschaftler, Mäzen und Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung und hat das gesellschaftliche Denken in Deutschland nachhaltig geprägt. Sein Engagement für Aufklärung, Erinnerung und Zivilität ist ein leuchtendes Beispiel für verantwortungsbewusstes Wirken im öffentlichen Raum.


Die Konferenz findet vom 26. bis 27. März 2026 in Kooperation zwischen den Universitäten Konstanz und Münster sowie dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (ZKF) Konstanz und der vhs Landkreis Konstanz statt. Sie wird von Prof. Dr. Sven Reichardt (Universität Konstanz), Prof. Dr. Levent Tezcan (Universität Münster) sowie PD Dr. Özkan Ezli (Universität Münster) veranstaltet."

Jan Philipp Reemtsma (© Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, Fotograf: Uwe Weil)

Kurstermine 1

Übersicht über alle Kurstermine (1) mit Datum und Ort
Nr. Datum Ort
1 Konstanz; vhs, Astoria-Saal
Katzgasse 7, 78462 Konstanz

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