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Albert Kümmel-Schnur: „Und auf der Schwelle noch…“ Tor, Hecke, Zaun, Mauer zwischen Lebenden und Toten - Veranstaltungsreihe: Geschichten auf dem Friedhof

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit der vhs Landkreis Konstanz e.V. und der Universität Konstanz statt.


Das Wort ‚Friedhof‘ bezeichnet ursprünglich einen eingezäunten – ‚befriedeten‘ – Bereich um die Kirche herum. Es steht im Unterschied zu die Fläche betonenden Wörtern wie ‚Gottes-‘oder ‚Totenacker‘. Wer etwas umfriedet, unterscheidet einen geschützten von einem ungeschützten Ort. Doch wer muss im Falle des Friedhofes vor wem geschützt werden? Der Friedhof grenzt auch die Welt der Toten von der der Lebenden ab: im Falle eines Kirchhofes, also einer um eine Kirche gelegenen Bestattungsstätte, sind die Verstorbenen hineingenommen in den Raum des Sakralen. Doch was geschieht, wenn Kirche und Bestattungsstätte getrennt werden?

Der Vortrag versteht die architektonischen Medien der Trennung als Schwellen, also nicht als raumlose Trennlinien, sondern als eigenständige Bereiche von Übergängen – erlaubten und unerlaubten (man möchte die Toten zur Ruhe betten, aber ihnen bitte nicht nächtens wieder begegnen). Andere Kulturen, andere Zeiten kennen die rituell eingehegte, nicht nur erlaubte, sondern erwünschte Wiederkehr der Toten.

Der Vortrag thematisiert die Gestaltung von Übergängen auf den Friedhof, ihre räumliche Organisation, die mit dieser verbundenen Verhaltensregeln und den Wächterfiguren, die auf ihre Einhaltung achten


Referent: Dr. Albert Kümmel-Schnur (Literaturwissenschaft)


Treffpunkt: Aussegnungshalle des Konstanzer Hauptfriedhofes, Riesenbergweg 78467 Konstanz


Informationen zur Veranstaltungsreihe: Geschichten auf dem Friedhof

Der Friedhof ist ein Ort des Erzählens. Einerseits ist der Friedhof ein prominenter Ort des Gedenkens an Verstorbene im Austausch von Erinnerungen über sie als auch im Gespräch, das Angehörige an Gräbern mit ihnen führen. Außerdem erzählt der Friedhof als kultureller und sozialer Ort von vergangenen und gegenwärtigen Gesellschaften. Das Wissen um den Tod zeichnet uns als Menschen aus. Nicht umsonst steht der Tod, das Nachdenken über Sterbenmüssen und Lebenwollen und der Wunsch, es möge nach dem Tod weitergehen, am Anfang der Kulturgeschichte, wie wir sie kennen. Aus diesem Grund ist der Friedhof wohl auch ein Schauplatz für Geschichten. Ganze Genres könnten ohne den Friedhof kaum existieren: Schauer-, Grusel- und Horrorfiktionen, aber auch der Kriminalroman.

 

Geschichten öffnen Türen zu unseren individuellen und kollektiven Gefühlen. Denen, die wir kennen und denen, die wir erst im Erzählen kennenlernen. Und dann natürlich die, von denen wir gar nichts wissen wollen. Wie alles gut Verdrängte, drängen sie, versperrt man ihnen Tür und Tor, durch Gartentürchen, über Hintereingänge und Kellertreppen wieder hinein.


In vier Vorträgen soll den Erzählungen, Erzählangeboten und Erzählanlässen, die der Friedhof bietet, nachgegangen werden, indem die Orte, in die sich der Friedhof selbst gliedert besucht und befragt werden: Tor und Mauer, Weg und Bank, Aufbahrung und Verabschiedung, Grab und Denkmal.

Kurstermine 1

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